Vasil Vasilev | Silentium | 08. April 2017 - 28. Mai 2017

Die Bilder des 1964 in Bulgarien geborenen Künstlers sind still, aber mitnichten stumm. Sie erzählen – nicht gegenständlich und doch poetisch und leidenschaftlich – von dichten Gefühlswelten, die hinter opaken Lagen darauf warten, wiederentdeckt zu werden. Ganz persönliche Stimmungen werden festgehalten, ohne dass sich das Auge auf die Suche nach einer konkreten Auflösung der Abstraktion machen müsste. Vielfach geht es dabei um Erinnerungen an die Heimat, an Bulgarien, um Düfte, Geräusche, Licht und Stimmungen. Die Motive sind eine abstrakte Retrospektive einer nicht mehr zugänglichen Welt, denn viele der gezeigten Bilder wurden in Deutschland gemalt. Hier und da jedoch ist dieser Schleier der Vergänglichkeit, die Patina der Zeit, wieder durchlässig geworden, weggekratzt, -geschabt oder -gespachtelt. Als Betrachter möchte man selbst hier und da noch ein wenig an der Oberfläche rühren, um mehr zu sehen und zu fühlen. Die darunterliegenden Flächen erinnern an sehr altes Holz, an verrostetes Metall, an Mauern von denen ganze Dekaden von Plakaten entfernt wurden. Wände verloren geglaubter emotionaler Architekturen, deren Oberfläche noch Reste der farbigen Fassungen erahnen lässt. Denn die Emotionalität des Augenblicks ist nicht versiegelt, sie ist lediglich transportsicher verpackt. Wie in einer umgekehrten Renovierung hat der Künstler seine Gefühlswelten nicht nur abgebildet, sondern dicke Firnis aufgetragen, um seine Erinnerungen zu schützen. Aber die Arbeit am Werk erfolgt in beide Richtungen. Der Betrachter vor dem Bild wird nun gewissermaßen zum Archäologen der inneren Welten, das Kunstwerk ist die Ausgrabungsstätte, die Auge und Verstand Schicht um Schicht wieder freilegen. Wie im Clair-obscure der Spätrenaissance treten einzelne Farben und Formen aus dem Undeutlichen.